Glossar

#DeepDiversity

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Gemäss einer OECD-Studie hatte im Jahr 2013 über die Hälfte der zwischen 15- und 34-Jährigen einen Migrationshintergrund. Solche statistischen Daten können den tiefreichenden sozialen, politischen und kulturellen Wandel, den die Schweizer Gesellschaft aufgrund von Einwanderung erlebt, nur sehr begrenzt abbilden. Klar ist jedoch: Für viele Bewohner*innen der Schweiz sind Migrationserfahrungen, transnationale Lebenswelten, Mehrfachzugehörigkeiten und interkultureller Austausch nichts Fremdes, sondern Normalität – in der eigenen Biografie, in der Familie, der Diaspora, unter Freunden, bei der Arbeit, in Medien oder Popkultur. Die im Alltag gelebte migrationsbedingte Vielfalt wird jedoch in Bereichen, die gesellschaftliche Diskurse, politische Entscheide und institutionelle Prozesse beeinflussen, nicht angemessen abgebildet, etwa in Parlamenten, Redaktionen, Verwaltungen, Kultur- und Bildungseinrichtungen. Laufende politische und öffentliche Diskurse sind nicht imstande, die Pluralisierung der Gesellschaft angemessen zu reflektieren, auch deswegen, weil sie weiterhin an der viel zu einfachen Unterscheidung zwischen Einheimischen und Ausländern, zwischen Eigenem und Fremdem festhalten.

Seit über hundert Jahren wird in der Schweiz und anderen Ländern die Frage diskutiert, wie Migration, Vielfalt, Demokratie und Citizenship in modernen Nationalstaaten zusammenhängen. Eigentlich gäbe es also einen reichhaltigen Wissens- und Erfahrungsschatz, auf den man heute zurückgreifen könnte. Doch leider gibt es kein öffentliches Bewusstsein für diese Geschichte. Die medialen und politischen Debatten zu dem Thema scheinen daher immer wieder bei null anzufangen. Gleichzeitig reproduzieren sich in der Öffentlichkeit fortlaufend politische Vorstellungen und Reflexe aus dem 19. Jahrhundert, die der komplexen Realität von Einwanderungsgesellschaften wie der Schweiz nicht gerecht werden können.
So lebt in gegenwärtigen Debatten zu Migration und Vielfalt auch die über hundert Jahre alte Forderung nach Assimilation fort. Der eingewanderte „Fremde“ soll sich möglichst bis zur Unkenntlichkeit „an die Schweiz“ anpassen. Alle sollen gleich werden. Auch wenn man heute Integration statt Assimilation sagt, bleibt das Grundproblem ungelöst: An welche der unterschiedlichen Lebensrealitäten im Land sollen sich „die Ausländer“ eigentlich anpassen? Wie jede moderne Gesellschaft ist auch die Schweiz in sich immer schon vielfältig, voller Parallelwelten mit eigenen Werten und Vorstellungen – nicht nur wegen ihrer Sprachregionen. Die einen schütteln zur Begrüssung die Hand, die anderen nicht. Die Grenzen der alten Assimilationslogik werden hier deutlich: Was ist, wenn sich neue Zuwanderer an die Lebensweisen von Schweizer*innen mit Migrationsgeschichte und Mehrfachzugehörigkeit anpassen? Und wie soll man sich eigentlich anpassen, wenn die eigene Hautfarbe nicht zum dominanten Bild einer „richtige“ Schweizer*in passt? Der politische Forderung sich zu assimilieren bzw. zu integrieren ist letztlich eine paradoxe Zumutung, die nicht erst seit gestern vor allem auf Disziplinierung und Dominanz abzielt. Die Einbürgerungsgesetze der Schweiz sind Ausdruck dieser eigentlich überholten aber weiterhin wirkmächtigen Vorstellungen von Assimilation.

Die empirische Migrationsforschung hat seit den 1960er Jahren gezeigt, dass Assimilations- und Integrationsprozesse keiner allgemeinen Regel folgen, sich auf sehr unterschiedlichen Ebenen abspielen und letztlich in gelebte Vielfalt statt gesellschaftlicher Homogenität münden. Trotzdem wirkt es in den migrationspolitischen Debatten der letzten Jahre wieder zunehmend so, als gäbe es nur eine Alternative: forcierte Assimilation oder ethnische Parallelgesellschaften. Im Gegensatz zu diesem ideologische Zerrbild beruht die migrationsbedingte Vielfalt in der Schweiz faktisch auf einem vielschichtigen Wechselspiel von stets partieller Angleichung und Differenz – ein Prozess, aus dem fortlaufend neue soziokulturelle Mischformen hervorgehen. Vielfalt in der Schweiz ist in dem Sinne weder einfach gut noch schlecht, und auch kein unmittelbares Ergebnis von Einwanderung. Es handelt sich vielmehr um eine historisch entstandene Realität, die im Zusammenspiel von Migration, partiellen Inklusionsangeboten und gesellschaftlicher Marginalisierung geboren wurde. Unter dem Radar der Dominanzgesellschaft ist so in den letzten fünfzig Jahren eine #NeueSchweiz der multiplen Identitäten und Mehrfachzugehörigkeiten entstanden, die sich jedoch bislang nicht in den offiziellen Teilhabestrukturen, Selbstbildern und Institutionen der Schweiz widerspiegelt.

Ausgehend von den Debatten um Integration und Multikulturalismus, die seit den 1980er Jahren vor allem in den Städten geführt wurden, wird migrationsbedingte Vielfalt auch in der Schweiz nicht mehr nur als Bedrohung, sondern auch als Bereicherung wahrgenommen. Doch Bereicherung wird in der Schweizer Öffentlichkeit vor allem ökonomisch verstanden: Migration und Vielfalt sollen sich für die „Aufnahmegesellschaft“ rentieren. Sicherlich ist gesellschaftliche Pluralisierung durch Einwanderung in vielerlei Hinsicht ein Gewinn. Aber man muss schon genau hinsehen, wer Migration und kulturelle Vielfalt konsumieren bzw. davon profitieren kann und wer nicht? Geht die wirtschaftliche Verwertung von kultureller Vielfalt auch mit einer politischen, sozialen und rechtlichen Öffnung von Teilhabemöglichkeiten einher, oder nicht? Einfach gesagt: Pizza essen – Ja, Einbürgerung der Pizzabäcker – Nein? Und was ist, wenn gelebte Vielfalt sich nicht direkt auszahlt, sondern Kosten verursacht, Spannungen erzeugt und Probleme bereitet? Anstatt soziokulturelle Konflikte pragmatisch, ruhig und sachlich anzugehen, wird schnell wieder der Ruf nach Abschottung, Assimilation und einer dominanten "Leitkultur" laut. Zunehmend zeigt sich, dass die Wahrnehmung von Vielfalt als Bedrohung bzw. Bereicherung in der Schweiz zwei Seiten einer Medaille bilden. Seit Jahren werden Ängste und rassistische Vorurteile gegenüber den "gefährlichen Fremden" mobilisiert, die tief in der kollektiven Vorstellungswelt der Schweiz verankert sind. Sie reichen weit in die Zeit des europäischen Kolonialismus zurück, in der die Schweiz – auch wenn dies zumeist verdrängt wird – wirtschaftlich, logistisch, wissenschaftlich und ideologisch involviert war. Man denke etwa an die sogenannten Völkerschauen, die Rassenforschung oder an die erste eidgenössische Volksinitiative von 1893 für ein Schächtungsverbot, die antisemitisch motiviert war. Vor dem Hintergrund dieses in der Schweizer Öffentlichkeit noch weitestgehend unaufgearbeiteten historischen Erbes kann die Rede von kultureller Vielfalt auch schnell in die Betonung unüberbrückbarer kultureller Differenzen kippen und Ausgrenzungstendenzen verstärken. Soziale, politische, rechtliche und ökonomische Marginalisierung erscheint so auf einmal legitim.
Nichtsdestotrotz – oder gerade wegen diesem globalen Horizont – war die Schweiz bis im späten 19. Jahrhundert politisch relativ liberal und allenfalls sogar kosmopolitischer als heute. Einwanderung war ein wichtiger Faktor für den Erfolg der Gründerschweiz – und Teil des politischen Modells. Politische Flüchtlinge aus Deutschland begründeten die Universitäten mit, Italiener*innen bauten die grossen Infrastrukturen wie den Gotthard und betrieben die neuen Fabriken in den wachsenden Städten, Handwerker aus den angrenzenden Ländern trieben das Gewerbe voran. Die vielfältigen Stimmen dieser Schweizer Migrationsgeschichte schlummern in den Archiven, Erinnerungen und Familienalben. Es sollte also nicht vergessen werden, dass die Schweiz einen durchaus auch kritischen Kosmopolitismus beheimatete, der im Projekt des nation buildings im 20. Jahrhundert und der damit verbundenen postkolonialen Amnesie zusehends vergessen wurden. Verdrängt wurde auch, dass im Zuge dieser Geschichte zwei Formen der kulturellen Vielfalt in der Schweiz unterschieden und strukturell ungleich behandelt werden: Die Vielfalt der Sprachregionen und Konfessionen, die seit 1848 offiziell zur Nation gehören, ist im politischen System verankert, wird von der Kulturpolitik gefördert und definiert die Schweiz weltweit anerkannt als multiethnische Nation. Dann ist da die andere, die migrantische Vielfalt, die zwar ebenfalls grundlegend für die Geschichte der Schweiz ist, aber durch die Ausländergesetzgebung und Integrationspolitik gegängelt und marginalisiert wird. Sie soll nicht zur Nation gehören. Ein Gedankenexperiment: Portugiesisch und Albanisch werden heute von mehr Schweizer*innen gesprochen als Rätoromanisch. Was spräche gegen eine ergebnisoffene Debatte über neue Landessprachen in der Schweiz? Migration und eidgenössische Vielfalt hängen auch deswegen faktisch längst zusammen, weil die Sprachregionen der Schweiz nicht erst seit gestern Einwanderung aus sprachlich verwandten Ländern anziehen. So hat man jüngst auch festgestellt, dass das Rätoromanische durch die Einwanderung von Portugies*innen nach Graubünden gestärkt wird.

Die Frage nach dem gemeinsamen Nenner in der gelebten Vielfalt stellt für jede Gesellschaft – auch ohne Migration – eine Herausforderung dar. Was sind die universellen Institutionen, Verfahren, Werte, Selbstbilder und Geschichten auf denen eine plurale Einwanderungsgesellschaft bauen kann, die den Anspruch hat demokratisch zu sein? Und was hiesse vor diesem Hintergrund eine Anerkennung von migrationsbedingter Vielfalt? Aktuell gibt es keine fertigen Antworten auf diese Frage. Doch klar ist: Solange im migrationspolitischen Diskurs vornehmlich Ängste geschürt und Feindbilder geschaffen werden, vergibt man die Chance auf einen gesellschaftlichen Prozess, der in der Lage wäre, dieser Frage für die konkreten Bedingungen der heutigen Schweiz nachzugehen.
Die Debatte um Migration und Vielfalt bedeutet ein Ringen darum, wer dazu gehört und wer nicht. Dieses Ringen um Inklusion und Exklusion, Zugehörigkeit und Teilhabe betrifft nicht nur die kulturelle, sondern auch die rechtliche, soziale, politische und ökonomische Ebene. Kurzum: Anerkennung von Vielfalt, Demokratie und soziale Gerechtigkeit hängen eng zusammen. Wenn man die gelebte Vielfalt in der Einwanderungsgesellschaft Schweiz demokratisch gestalten will, reicht es daher nicht, auf interkulturelles Kommunikationstraining bzw. technokratisches diversity management zu setzen. Man müsste bereit sein, die Schweiz im globalen historischen Zusammenhang zu sehen und als eine permanente soziokulturelle Baustelle zu verstehen, im Sinne Max Frischs als ein permanent Werdendes statt ein bereits fertig Gewordenes. Institutionen und Imaginationen müssten dem Rechnung tragen, dass sich das "Eigene", also das "Wir" der Schweiz auch durch Migration fortlaufend verschiebt und verändert.

INES möchte der vielschichtigen Realität der Vielfalt in der Schweiz im globalen Zusammenhang in diesem Sinne explorativ in den Blick nehmen und fragen: Welche Bilder, Erzählungen, Begriffe, Konzepte, Institutionen und gesetzlichen Regelungen für Vielfalt existieren aktuell und welche bräuchten wir, um der postkolonialen und postmigrantischen Einwanderungsgesellschaft gerecht zu werden? Und wie hängt migrationsbedingte Vielfalt mit anderen Formen von Vielfalt zusammen, etwa in Hinblick auf soziale Herkunft, Geschlecht, sexuelle Orientierung und körperliche Befähigung. Zu guter Letzt: Wie gelangen wir von einem oberflächlichen Verständnis von Diversity hin zu einer Tiefe, einer #DeepDiversity, die es erlaubt die #NeueSchweiz zu imaginieren und zu realisieren. Zusammen mit Expert*innen aus den Bereichen Kultur, Wissen, Bildung, Medien, Recht sowie weiteren Kompliz*innen entwickelt INES ab Herbst 2017 in einem partizipativen und experimentellen Prozess ein Bildarchiv, ein Glossar sowie eine Storytelling-Plattform, die tiefere Schichten von gelebter Vielfalt in der Schweiz sichtbar machen sollen. Durch die kritische und innovative Analyse und Produktion von Bildern, Begriffen und Narrativen von Vielfalt sollen neue Spielräume für die Praxis geschaffen werden.

 

 

 

Literatur

 

Sara AhmedOn Being Included. Racism and Diversity in Institutional Life(Durham: Duke UP2012).

Kijan Espahangizi'Im Wartesaal der Integration. Ankommen in der postmigrantischen Gesellschaft', Terra Cognita., 27 (Eidgenössische Kommission für Migration2015), 104-109.

Nancy Fraser und Axel HonnethRedistribution or Recognition? A Political-Philosophical Exchange(London: Verso2001).

Patricia Purtschert, Barbara Lüthi und Francesca Falk (Hg.)Postkoloniale Schweiz. Formen und Folgen eines Kolonialismus ohne Kolonien(Bielefeld: Transcript2012).

Mark TerkessidisInterkultur(Berlin: Suhrkamp2010).

Willi WottrengEin einzig Volk von Immigranten(Orell Füssli2000).

Memleket - Stimmen der Neuen Schweiz: Folge 7!

Freitag, 25. September 2020

Von Stimmen der Neuen Schweiz

 

memleket - stimmen der neuen schweiz.

Folge 7 des INES-Podcasts memleket: Hier wird jener Teil der Schweiz hörbar, der heute noch nicht wirklich wahrgenommen wird. Hier spricht die plurale, diverse Schweiz mit Migrationsvordergrund, eine, die eine andere Sicht auf die Welt hat.

#NeueSchweiz

FRINES @KinoimKocher
22.August 2020 18:00 – 23:30

 

Glossar
Glossar #NeueSchweiz

 

An dieser Stelle wird das Glossar #NeueSchweiz zukünftig die relevanten Begriffe vorstellen, um Migration, Vielfalt und Rassismus in der Schweiz zu verstehen – fundiert und kritisch. Ausgangslage bilden die beiden Begriffe #NeueSchweiz und #DeepDiversity.

Nein zur Entrechtung, Ja zu einer solidarischeren Politik für alle Erwerbstätigen in der postmigrantischen Schweiz

Dienstag, 15. September 2020

Von Alessandro Pelizzari, Dominik Gross und Sarah Schilliger

 

10 Thesen für ein postmigrantisches Nein zur Kündigungsinitiative am 27. September und eine offensive und eigenständige linke Politik zur Personenfreizügigkeit darüber hinaus.

Do the Right Thing! #NeueSchweiz im Kino im Kocher

Mittwoch, 9. September 2020

Von Friends of INES aka FRINES, Mardoché Kabengele

 

Am 22. August zeigte das gratis Openairkino „Kino im Kocher“ den Film „Do the Right Thing vom Schwarzen* Regisseur, Produzenten und Schauspieler Spike Lee. Sie wollten für das diesjährige Event eine klare Position gegen Polizeigewalt und strukturellen Rassismus beziehen. Das Institut Neue Schweiz (INES) und sein Förderverein Friends of INES (FrINES) waren mit einer Eröffnungsrede von Mardoché Kabengele und Lucia Aguilar und einem Stand vor Ort.

«Wir können wirklich etwas verändern»

Donnerstag, 20. August 2020

Von Sara Winter Sayilir von Surprise

 

«Ich muss nicht weiss werden, es gibt auch andere Arten, Schweizerin zu sein.» LAURA RIVAS KAUFMANN, 30, arbeitet in der Bildredaktion des Tages-Anzeigers und als freie Journalistin bei Tsüri.ch. Als Aktivistin ist sie in mehreren PoC-Kollektiven dabei und beschäftigt sich intensiv auch mit Feminismus.

Was bewegt Menschen aus der antirassistischen Bewegung in Zeiten von «Black Lives Matter»? Surprise hat vier Aktivist*innen zum Gespräch eingeladen und ausnahmsweise einfach nur zugehört.

Grenzerfahrungen – Ein Bericht einer postmigrantischen Schweizerin

Mittwoch, 1. Juli 2020

Von Lucia Aguilar, Mitglied INES Institutsleitung, redigiert von Christoph Damke, Maria-Cecilia Quadri und Tarek Naguib.

 

Seit dem 15. Juni sind die Grenzen in Europa wieder geöffnet. Ein Rückblick einer postmigrantischen Schweizerin, die während Corona von Costa Rica über die Schweiz bis nach Hamburg gelangt ist.

Die höchste Luzernerin hat Migrationsbiographie!

Dienstag, 30. Juni 2020

Von Stimmen der Neuen Schweiz

 

Ylfete Fanaj

Am 23. Juni wurde Ylfete Fanaj zur höchsten Luzernerin gewählt, sie ist neu Präsidentin des Kantonsrats. Wir gratulieren Ylfete Fanaj zu ihrem Erfolg und drucken hier mit ihrer Erlaubnis ihre starke und wichtige Rede zur Wahlannahme ab.

Schwarzenbach geht uns alle an! Gedanken zu einer vielstimmigen, antirassistischen Erinnerungspolitik

Freitag, 26. Juni 2020

Von Rohit Jain

 

Die Schweiz hat sich von der Black Lives Matter-Bewegung und der davon ausgelösten Rassismus-Debatte überraschen lassen. Dass die Black Lives Matter-Bewegung mit dem Gedenktag an die Ablehnung der Schwarzenbach-Initiative vor 50 Jahren zusammenfällt, ist Zufall und Glücksfall zugleich: Das erste Mal seit den Protesten gegen das Gastarbeiterregime zwischen den späten 1960er und frühen 1980er Jahren finden wieder Massenproteste gegen Rassismus statt, die die Gesellschaft durchschütteln. Wie lässt sich eine kritische Erinnerung an das Gastarbeiterregime als Ausgangspunkt nehmen, um historische Schuld verantwortungsvoll und nachhaltig aufzuarbeiten und eine vielstimmige, antirassistische Demokratisierung zu stärken?

memleket - stimmen der neuen schweiz: Mardoché Kabengele

Freitag, 19. Juni 2020

Von Stimmen der Neuen Schweiz

 

memleket - stimmen der neuen schweiz

Mardoché Kabengele: Folge 6 unseres Podcasts "memleket" ist online!

#DeepDiversity

Für alle Menschen, die hier leben und die noch kommen werden

Montag, 15. Juni 2020

Von INES Institut Neue Schweiz

 

Seit George Floyd durch rassistische Polizeigewalt in den USA ums Leben gebracht wurde, ist die Solidarität mit der Black Lives Matter-Bewegung auch in der Schweiz deutlich spürbar, in öffentlichen Debatten, auf der Strasse und persönlichen Gesprächen. Das Institut Neue Schweiz (INES) solidarisiert sich mit diesen Protesten und dem Kampf gegen einen spezifischen anti-Schwarzen Rassismus.

ÖFFENTLICHER APPELL: WIRTSCHAFTLICHE NOT IN ZEITEN DER CORONA-KRISE DARF AUFENTHALTSSTATUS UND EINBÜRGERUNGEN NICHT GEFÄHRDEN – SEIEN WIR AUCH HIER SOLIDARISCH!

Freitag, 1. Mai 2020

Von INES Institut Neue Schweiz

 

Die Corona-Pandemie ist nicht nur eine gesundheitliche, sondern auch eine soziale und wirtschaftliche Krise. Viele Menschen sind von Arbeitslosigkeit bedroht, werden auf Sozialhilfe angewiesen sein und müssen Schulden aufnehmen, auch in der Schweiz. Das hat massive finanzielle und soziale Auswirkungen, aber auch – was viele nicht wissen – rechtliche Folgen. Bei Entscheiden zum Aufenthaltsstatus und zur Einbürgerung spielt das Kriterium ›wirtschaftliche Integration‹ eine massgebliche Rolle. Die Corona-Pandemie ist auch deswegen für viele eine existenzielle Bedrohung. Dies betrifft potenziell ein Viertel der Wohnbevölkerung, die kein Schweizer Bürgerrecht haben, aber das Land tagtäglich mittragen und mitgestalten.

memleket Folge 4: Carlos Ortega

Freitag, 13. März 2020

Von Christoph Keller & Ugur Gültekin

 

Caption

Unser Blog "Stimmen der neuen Schweiz" hat seit Februar 2020 auch ein Podcast-Format. memleket. Folge 4 ist jetzt online !

Tradition und Identität im Kontext postkolonialer Verstrickungen

Freitag, 6. März 2020

Von Halua Pinto de Magalhães

 

"Protestdemo" von FasnächtlerInnen - August 2018 (Quelle: Tageswoche, Hans-Jörg Walter)

Aufgrund des Corona-Virus wurde dieses Jahr unter anderem die Basler Fasnacht abgesagt. Die Kritik der antirassistischen Bewegung an der Fasnacht bleibt. Es stellt sich insbesondere immer noch die Frage, weshalb diese sogenannten Traditionen sowohl bei ihren Kritikern, als auch bei eingeschworenen FasnächtlerInnen so viele Emotionen auslösen. Halua Pinto de Magalhães sucht auf dem INES Blog „Stimmen der Neuen Schweiz“ nach antworten.

memleket - stimmen der neuen schweiz

Freitag, 21. Februar 2020

Von Christoph Keller & Ugur Gültekin

 

Unser Blog "Stimmen der neuen Schweiz" hat jetzt auch ein Podcast-Format: memleket. Die ersten drei Folgen sind online verfügbar!

"Ich bin Secondo, also bin ich."

Dienstag, 21. Januar 2020

Von Uğur Gültekin

 

Samir und Ugur Gültekin.

Der Filmemacher Samir und Uğur Gültekin (INES-Institutsleitung und Journalist) tauschen sich in diesem postmigrantischen Generationengespräch über das Erwachsenwerden in unterschiedlichen Jahrzehnten aus. Dabei entdecken sie Gemeinsamkeiten, blicken auf hoffnungsspendende Momente zurück und werden über den Fakt überrascht, dass sie ohne sich zu kennen, durch die Arbeit des anderen empowert wurden.

«Stadt-für-alle»-Aktion vor der Fachhochschule St. Gallen

Montag, 11. November 2019

Von Mardoché Kabengele

 

Copyright: Dani Fels

Eine Ostwind-Initiative in Anlehnung an die Urban Citizenship-Debatte in anderen Städten der Schweiz.

«Für Hunde und Italiener verboten» - Ein Gespräch mit Angelo Maiolino

Montag, 15. Juli 2019

Von Tarek Naguib

 

Angelo Maiolino war Dozent und wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für politische Philosophie der Universität Zürich. Gegenwärtig arbeitet der Familienvater als Gymnasiallehrer an einer Zürcher Kantonsschule. Im Jahr 2011 hat er das Buch „Als die Italiener noch Tschinggen waren“ im Rotpunktverlag publiziert. Drei Jahre später erschien seine Doktorarbeit mit dem Titel „Politische Kultur in Zeiten des Neoliberalismus“ im Transcript Verlag. Tarek Naguib hat Angelo Maiolino getroffen und mit ihm zurückgeschaut auf die Schwarzenbach-Initiative und die Lebensrealitäten von italienischen Gastarbeitern in der Schweiz und gefragt was diese Erfahrungen für die Gegenwart und die Zukunft der Migrationsgesellschaft Schweiz bedeuten.

Hautverdächtig – Rassistische Polizeikontrollen auf der Anklagebank

Donnerstag, 16. Mai 2019

Von Mohamed Wa Baile und Ellen Höhne

 

»Hautverdächtig« ist die theatralische Dokumentation und Reinszenierung eines Schweizer Gerichtsfalls zu Racial Profiling, der im Jahr 2015 begann und mittlerweile vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte anhängig ist. Dieser experimentelle Text bringt die institutionalisierte Diskriminierungspraxis der Polizei ans Licht, in der täglich Menschen verdächtigt, willkürlich aufgehalten und als Rassisierte ausgeschlossen werden.

Memleket - Stimmen der Neuen Schweiz: Folge 7!

Freitag, 25. September 2020

Von Stimmen der Neuen Schweiz

 

memleket - stimmen der neuen schweiz.

Folge 7 des INES-Podcasts memleket: Hier wird jener Teil der Schweiz hörbar, der heute noch nicht wirklich wahrgenommen wird. Hier spricht die plurale, diverse Schweiz mit Migrationsvordergrund, eine, die eine andere Sicht auf die Welt hat.

Glossar
Glossar #NeueSchweiz

 

An dieser Stelle wird das Glossar #NeueSchweiz zukünftig die relevanten Begriffe vorstellen, um Migration, Vielfalt und Rassismus in der Schweiz zu verstehen – fundiert und kritisch. Ausgangslage bilden die beiden Begriffe #NeueSchweiz und #DeepDiversity.

Do the Right Thing! #NeueSchweiz im Kino im Kocher

Mittwoch, 9. September 2020

Von Friends of INES aka FRINES, Mardoché Kabengele

 

Am 22. August zeigte das gratis Openairkino „Kino im Kocher“ den Film „Do the Right Thing vom Schwarzen* Regisseur, Produzenten und Schauspieler Spike Lee. Sie wollten für das diesjährige Event eine klare Position gegen Polizeigewalt und strukturellen Rassismus beziehen. Das Institut Neue Schweiz (INES) und sein Förderverein Friends of INES (FrINES) waren mit einer Eröffnungsrede von Mardoché Kabengele und Lucia Aguilar und einem Stand vor Ort.

Grenzerfahrungen – Ein Bericht einer postmigrantischen Schweizerin

Mittwoch, 1. Juli 2020

Von Lucia Aguilar, Mitglied INES Institutsleitung, redigiert von Christoph Damke, Maria-Cecilia Quadri und Tarek Naguib.

 

Seit dem 15. Juni sind die Grenzen in Europa wieder geöffnet. Ein Rückblick einer postmigrantischen Schweizerin, die während Corona von Costa Rica über die Schweiz bis nach Hamburg gelangt ist.

Schwarzenbach geht uns alle an! Gedanken zu einer vielstimmigen, antirassistischen Erinnerungspolitik

Freitag, 26. Juni 2020

Von Rohit Jain

 

Die Schweiz hat sich von der Black Lives Matter-Bewegung und der davon ausgelösten Rassismus-Debatte überraschen lassen. Dass die Black Lives Matter-Bewegung mit dem Gedenktag an die Ablehnung der Schwarzenbach-Initiative vor 50 Jahren zusammenfällt, ist Zufall und Glücksfall zugleich: Das erste Mal seit den Protesten gegen das Gastarbeiterregime zwischen den späten 1960er und frühen 1980er Jahren finden wieder Massenproteste gegen Rassismus statt, die die Gesellschaft durchschütteln. Wie lässt sich eine kritische Erinnerung an das Gastarbeiterregime als Ausgangspunkt nehmen, um historische Schuld verantwortungsvoll und nachhaltig aufzuarbeiten und eine vielstimmige, antirassistische Demokratisierung zu stärken?

#DeepDiversity

Für alle Menschen, die hier leben und die noch kommen werden

Montag, 15. Juni 2020

Von INES Institut Neue Schweiz

 

Seit George Floyd durch rassistische Polizeigewalt in den USA ums Leben gebracht wurde, ist die Solidarität mit der Black Lives Matter-Bewegung auch in der Schweiz deutlich spürbar, in öffentlichen Debatten, auf der Strasse und persönlichen Gesprächen. Das Institut Neue Schweiz (INES) solidarisiert sich mit diesen Protesten und dem Kampf gegen einen spezifischen anti-Schwarzen Rassismus.

memleket Folge 4: Carlos Ortega

Freitag, 13. März 2020

Von Christoph Keller & Ugur Gültekin

 

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Unser Blog "Stimmen der neuen Schweiz" hat seit Februar 2020 auch ein Podcast-Format. memleket. Folge 4 ist jetzt online !

memleket - stimmen der neuen schweiz

Freitag, 21. Februar 2020

Von Christoph Keller & Ugur Gültekin

 

Unser Blog "Stimmen der neuen Schweiz" hat jetzt auch ein Podcast-Format: memleket. Die ersten drei Folgen sind online verfügbar!

«Stadt-für-alle»-Aktion vor der Fachhochschule St. Gallen

Montag, 11. November 2019

Von Mardoché Kabengele

 

Copyright: Dani Fels

Eine Ostwind-Initiative in Anlehnung an die Urban Citizenship-Debatte in anderen Städten der Schweiz.

Hautverdächtig – Rassistische Polizeikontrollen auf der Anklagebank

Donnerstag, 16. Mai 2019

Von Mohamed Wa Baile und Ellen Höhne

 

»Hautverdächtig« ist die theatralische Dokumentation und Reinszenierung eines Schweizer Gerichtsfalls zu Racial Profiling, der im Jahr 2015 begann und mittlerweile vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte anhängig ist. Dieser experimentelle Text bringt die institutionalisierte Diskriminierungspraxis der Polizei ans Licht, in der täglich Menschen verdächtigt, willkürlich aufgehalten und als Rassisierte ausgeschlossen werden.

#NeueSchweiz

FRINES @KinoimKocher
22.August 2020 18:00 – 23:30

 

Nein zur Entrechtung, Ja zu einer solidarischeren Politik für alle Erwerbstätigen in der postmigrantischen Schweiz

Dienstag, 15. September 2020

Von Alessandro Pelizzari, Dominik Gross und Sarah Schilliger

 

10 Thesen für ein postmigrantisches Nein zur Kündigungsinitiative am 27. September und eine offensive und eigenständige linke Politik zur Personenfreizügigkeit darüber hinaus.

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Donnerstag, 20. August 2020

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«Ich muss nicht weiss werden, es gibt auch andere Arten, Schweizerin zu sein.» LAURA RIVAS KAUFMANN, 30, arbeitet in der Bildredaktion des Tages-Anzeigers und als freie Journalistin bei Tsüri.ch. Als Aktivistin ist sie in mehreren PoC-Kollektiven dabei und beschäftigt sich intensiv auch mit Feminismus.

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Die höchste Luzernerin hat Migrationsbiographie!

Dienstag, 30. Juni 2020

Von Stimmen der Neuen Schweiz

 

Ylfete Fanaj

Am 23. Juni wurde Ylfete Fanaj zur höchsten Luzernerin gewählt, sie ist neu Präsidentin des Kantonsrats. Wir gratulieren Ylfete Fanaj zu ihrem Erfolg und drucken hier mit ihrer Erlaubnis ihre starke und wichtige Rede zur Wahlannahme ab.

memleket - stimmen der neuen schweiz: Mardoché Kabengele

Freitag, 19. Juni 2020

Von Stimmen der Neuen Schweiz

 

memleket - stimmen der neuen schweiz

Mardoché Kabengele: Folge 6 unseres Podcasts "memleket" ist online!

ÖFFENTLICHER APPELL: WIRTSCHAFTLICHE NOT IN ZEITEN DER CORONA-KRISE DARF AUFENTHALTSSTATUS UND EINBÜRGERUNGEN NICHT GEFÄHRDEN – SEIEN WIR AUCH HIER SOLIDARISCH!

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Von INES Institut Neue Schweiz

 

Die Corona-Pandemie ist nicht nur eine gesundheitliche, sondern auch eine soziale und wirtschaftliche Krise. Viele Menschen sind von Arbeitslosigkeit bedroht, werden auf Sozialhilfe angewiesen sein und müssen Schulden aufnehmen, auch in der Schweiz. Das hat massive finanzielle und soziale Auswirkungen, aber auch – was viele nicht wissen – rechtliche Folgen. Bei Entscheiden zum Aufenthaltsstatus und zur Einbürgerung spielt das Kriterium ›wirtschaftliche Integration‹ eine massgebliche Rolle. Die Corona-Pandemie ist auch deswegen für viele eine existenzielle Bedrohung. Dies betrifft potenziell ein Viertel der Wohnbevölkerung, die kein Schweizer Bürgerrecht haben, aber das Land tagtäglich mittragen und mitgestalten.

Tradition und Identität im Kontext postkolonialer Verstrickungen

Freitag, 6. März 2020

Von Halua Pinto de Magalhães

 

"Protestdemo" von FasnächtlerInnen - August 2018 (Quelle: Tageswoche, Hans-Jörg Walter)

Aufgrund des Corona-Virus wurde dieses Jahr unter anderem die Basler Fasnacht abgesagt. Die Kritik der antirassistischen Bewegung an der Fasnacht bleibt. Es stellt sich insbesondere immer noch die Frage, weshalb diese sogenannten Traditionen sowohl bei ihren Kritikern, als auch bei eingeschworenen FasnächtlerInnen so viele Emotionen auslösen. Halua Pinto de Magalhães sucht auf dem INES Blog „Stimmen der Neuen Schweiz“ nach antworten.

"Ich bin Secondo, also bin ich."

Dienstag, 21. Januar 2020

Von Uğur Gültekin

 

Samir und Ugur Gültekin.

Der Filmemacher Samir und Uğur Gültekin (INES-Institutsleitung und Journalist) tauschen sich in diesem postmigrantischen Generationengespräch über das Erwachsenwerden in unterschiedlichen Jahrzehnten aus. Dabei entdecken sie Gemeinsamkeiten, blicken auf hoffnungsspendende Momente zurück und werden über den Fakt überrascht, dass sie ohne sich zu kennen, durch die Arbeit des anderen empowert wurden.

«Für Hunde und Italiener verboten» - Ein Gespräch mit Angelo Maiolino

Montag, 15. Juli 2019

Von Tarek Naguib

 

Angelo Maiolino war Dozent und wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für politische Philosophie der Universität Zürich. Gegenwärtig arbeitet der Familienvater als Gymnasiallehrer an einer Zürcher Kantonsschule. Im Jahr 2011 hat er das Buch „Als die Italiener noch Tschinggen waren“ im Rotpunktverlag publiziert. Drei Jahre später erschien seine Doktorarbeit mit dem Titel „Politische Kultur in Zeiten des Neoliberalismus“ im Transcript Verlag. Tarek Naguib hat Angelo Maiolino getroffen und mit ihm zurückgeschaut auf die Schwarzenbach-Initiative und die Lebensrealitäten von italienischen Gastarbeitern in der Schweiz und gefragt was diese Erfahrungen für die Gegenwart und die Zukunft der Migrationsgesellschaft Schweiz bedeuten.

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